41% des Email-Umsatzes entsteht in 5% aller versendeten Emails. Der Rest ist Lärm.
Jeden Dienstag geht eine Email raus. Manchmal Mittwoch. Neues Produkt, aktuelle Aktion, saisonaler Anlass. Die Öffnungsrate ist ok. Manchmal kommen Bestellungen rein. Das Gefühl: Email Marketing läuft.
Es ist ein verständliches Gefühl. Aber es beschreibt keinen Email-Marketing-Kanal.
Es beschreibt einen Broadcast-Rhythmus.
Und der Unterschied zwischen diesen beiden Dingen ist der Grund, warum die meisten E-Commerce-Shops mit ihrem Email-Kanal deutlich unter dem bleiben, was möglich wäre.
Stell dir zwei Mitarbeiter vor, beide zuständig für Kundenkommunikation.
Der erste schickt jeden Dienstag dasselbe Format an alle. Neue Woche, neue Email. Er weiss nicht, ob der Empfänger gerade kurz vor einem Kauf steht oder seit vier Monaten nichts mehr geöffnet hat. Er weiss nicht, ob jemand gestern dreimal dasselbe Produkt angesehen hat. Er sendet. Wer kauft, kauft. Wer nicht, nicht.
Der zweite arbeitet anders. Er meldet sich bei jemandem genau dann, wenn diese Person sich für ein Produkt interessiert hat, ohne zu kaufen. Er erinnert jemanden nach dem ersten Kauf daran, was dazu passt. Er spricht Kunden, die seit 90 Tagen nichts mehr bestellt haben, mit einem anderen Ton an als Kunden, die letzte Woche etwas gekauft haben. Er reagiert auf Verhalten. Nicht auf Kalenderdaten.
Beide versenden Emails. Nur einer betreibt Email Marketing.
Im ersten Fall heisst das Tool: Kampagne. Im zweiten: Flow.
Das ist keine Theorie. Klaviyo hat im aktuellen Benchmark Report die Daten von über 183’000 eigenen Kunden ausgewertet, branchenübergreifend und über alle Shopgrössen hinweg. Das Ergebnis ist strukturell eindeutig, auch wenn die konkreten Werte je nach Sortiment, Traffic und Setup-Reife variieren.
Flows machen 5.3% aller versendeten Emails aus. Kampagnen 94.7%.
Und trotzdem stammen 41% des gesamten Email-Umsatzes aus diesen 5.3% automatisierten Sends. (Quelle: Klaviyo Email Marketing Benchmarks)
Anders formuliert: Wer fast ausschliesslich Kampagnen schickt, investiert den Grossteil seiner Versandaktivität in den weniger effizienten Teil des Kanals. Der umsatzstärkste Teil des Systems, der mit einem Bruchteil der Sends fast die Hälfte des Umsatzes erzeugt, liegt bei den meisten Shops entweder brach oder ist halbfertig eingerichtet.
Der Revenue per Recipient, also der durchschnittliche Umsatz pro zugestellter Email, liegt bei Flows branchenübergreifend im Schnitt bei 1.94 Dollar. Bei den besten 10% der Shops bei 16.96 Dollar. Beim Abandoned Cart Flow allein sind es im Schnitt 3.65 Dollar, bei Top-Performern 28.89 Dollar. (Quelle: Klaviyo Benchmark Report 2024)
Diese Zahlen sind Benchmarks, keine Garantien. Ein Shop mit wenig Traffic, kleiner Liste oder früher Datenqualität wird nicht sofort dort ankommen. Aber die Richtung ist eindeutig: Automatisierte Flows sind im Verhältnis zum Versandvolumen strukturell effizienter als klassische Kampagnen, unabhängig von Branche oder Shopgrösse.
Der Abstand zwischen einem durchschnittlichen und einem Top-Setup ist kein Zufall. Es ist Architektur.
Kampagnen haben ihren Platz. Produktlaunches, saisonale Aktionen, kuratierte Inhalte für spezifische Segmente. Das sind legitime, wichtige Einsätze. Gerade für jüngere Shops sind Kampagnen oft der einfachere Einstieg, weil sie keine aufwendige Verhaltensdatenbasis voraussetzen.
Aber Kampagnen fühlen sich auch deshalb produktiver an, als sie oft sind, weil sie sofortiges Feedback liefern. Du schreibst etwas, du sendest es, du siehst am selben Tag eine Reaktion. Das gibt ein klares Signal. Es fühlt sich nach Kontrolle an.
Flows fühlen sich anders an. Man richtet sie ein, und dann laufen sie. Es gibt keinen täglichen Impuls, kein unmittelbares Ergebnis. Die Arbeit passiert unsichtbar, ausgelöst durch das Verhalten von Menschen, die du gerade nicht aktiv ansprichst.
Das ist psychologisch schwieriger zu greifen. Wir optimieren für sichtbare Aktivität, nicht für unsichtbare Systeme. Und weil Kampagnen sofort etwas zurückgeben, fühlen sie sich wertvoller an, auch wenn die Daten etwas anderes zeigen.
Das Ergebnis ist ein Shop, der viel sendet, regelmässig sendet, und trotzdem nicht das ausschöpft, was der Email-Kanal leisten könnte.
Ich sehe das regelmässig in Shops, die auf den ersten Blick gar nicht schlecht aufgestellt sind: eine brauchbare Liste, laufende Kampagnen, erste Umsätze über Email. Und trotzdem bleibt der Flow-Anteil oft überraschend tief. Nicht weil die Nachfrage fehlt, sondern weil das Setup zwar aktiv ist, aber nicht wirklich verhaltensbasiert arbeitet. Es wird kommuniziert, aber nicht zum richtigen Zeitpunkt, nicht mit der richtigen Logik, nicht entlang der tatsächlichen Customer Journey.
Der Kanal wirkt beschäftigt. Er bleibt wirtschaftlich unter seinem Potenzial.
Was das konkret bedeutet: Eine dreistufige Abandoned Cart Sequenz generiert laut Klaviyo-Daten 24.9 Millionen Dollar im Vergleich zu 3.8 Millionen Dollar bei einer einzelnen Erinnerungs-Email. Wer nur eine Cart-Reminder-Email schickt, erholt einen Bruchteil dessen, was möglich wäre. (Quelle: Klaviyo Ecommerce Email Marketing Statistics 2026)
Ein Kanal ohne Gedächtnis lässt jeden Tag Umsatz liegen, ohne dass du es siehst. Nicht weil das Produkt falsch ist. Nicht weil die Liste zu klein ist. Sondern weil das System nicht reagiert, wenn es sollte.
Bevor es um Lösungen geht, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die folgenden Punkte zeigen das Muster sehr klar. Sie sind kein vollständiges Audit, aber ein sauberer Spiegel.
Dein Email-Kanal sendet wahrscheinlich mehr als er arbeitet, wenn:
Das sind keine Zeichen schlechter Arbeit. Es sind Zeichen eines Kanals, der noch nicht als System aufgebaut wurde. Und das ist ein Unterschied, der sich beheben lässt.
Gut aufgesetztes Email Marketing über Klaviyo macht je nach Branche und Setup-Reife zwischen 20 und 40% des E-Commerce-Gesamtumsatzes aus. (Quelle: Klaviyo Ecommerce Email Marketing Statistics 2026) Kleinere Shops mit wenig Traffic oder im frühen Aufbau werden diesen Wert nicht sofort erreichen. Aber der Benchmark zeigt, wohin ein korrekt aufgesetzter Kanal langfristig führt.
Wenn dein Email-Kanal deutlich darunter liegt, ist das selten ein Qualitätsproblem. Es ist fast immer ein Architekturproblem.
Die entscheidende Frage ist nicht: Haben wir eine gute Öffnungsrate? Die Frage ist: Wie viel Prozent unseres Gesamtumsatzes kommen aus dem Email-Kanal, und wie viel davon kommt aus automatisierten Flows?
Wenn die Antwort auf die zweite Frage nahe bei null liegt, hast du einen Broadcast-Kanal. Noch kein Email Marketing.
Ich bin Marlon, Klaviyo-Spezialist mit Erfahrung aus dem Schweizer E-Commerce. Wenn du herausfinden willst, ob dein Shop bereits ein System hat oder nur regelmässig sendet, zeigt ein strukturiertes Audit meist sehr schnell, wo Umsatz liegen bleibt.
Eine Kampagne ist eine manuell geplante Email, die du zu einem bestimmten Zeitpunkt an ein Segment sendest. Ein Flow ist eine automatisierte Sequenz, die durch Kundenverhalten ausgelöst wird, zum Beispiel durch einen abgebrochenen Warenkorb, eine Neuanmeldung oder einen abgeschlossenen Kauf. Flows reagieren auf den Kunden. Kampagnen reagieren auf den Kalender. Beide sind Teil eines funktionierenden Systems, aber ohne Flows fehlt dem Kanal das Fundament.
Bereits ab einer aktiven Liste von 500 bis 1'000 Kontakten zahlen sich gut aufgesetzte Flows aus. Entscheidender als die Listengrösse ist, ob genug Verhaltensdaten vorhanden sind, also Shop-Traffic, Kaufhistorie und Engagement-Signale, damit die Flows korrekt ausgelöst werden und sauber attributieren.
Welcome Series, Abandoned Cart und Post-Purchase sind die drei Flows mit dem höchsten Umsatzpotenzial für die meisten E-Commerce-Shops. Der Abandoned Cart Flow allein erzeugt laut Klaviyo-Daten im Schnitt 3.65 Dollar Revenue per Recipient. Bei Top-Shops sind es bis zu 28.89 Dollar. Das Setup, die Sequenztiefe und die Segmentierungslogik dahinter machen dabei den grössten Unterschied.
Ein gutes initiales Setup liefert sofort Ergebnisse. Aber kein Setup ist dauerhaft optimal. Listenwachstum, verändertes Kaufverhalten, neue Produkte und Saisonalität erfordern regelmässige Anpassungen. Flows, die nach dem Einrichten nie mehr überprüft werden, performen mit der Zeit schlechter, ohne dass es im Dashboard sofort sichtbar wird.
Ein Audit beginnt ab CHF 290 und liefert einen klaren Überblick darüber, welche Flows fehlen, welche Segmente nicht genutzt werden und wo messbarer Umsatz verloren geht, mit konkreten nächsten Schritten, priorisiert nach Umsatzpotenzial.
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