AI Search, KI SEO und SGE: Wenn Google nicht mehr reicht

KI SEO und SGE

Stell dir vor, du betreibst ein gut geführtes Restaurant. Du bist in jedem Stadtführer gelistet, hast gute Bewertungen, eine klare Adresse. Menschen finden dich, wenn sie suchen.

Jetzt fängt der Stadtführer an, Essen zu liefern.

Deine Adresse steht immer noch drin. Aber immer weniger Menschen verlassen den Stadtführer, um tatsächlich zu dir zu kommen. Sie bekommen die Antwort, bevor sie die Frage zu Ende gestellt haben.

Genau das passiert gerade mit Google. Und mit dem Begriff „gefunden werden“ insgesamt.

KI SEO ist kein neues Buzzword für denselben alten Prozess. Es ist eine strukturelle Verschiebung in der Art, wie Informationen konsumiert werden. Und die meisten Websites sind darauf nicht vorbereitet, nicht weil sie schlecht sind, sondern weil die Regeln gerade neu geschrieben werden.

Inhaltsverzeichnis

Die Suchmaschine, die du kennst, ist nicht mehr dieselbe

Lange war die Welt des Suchens einfach: Du gibst etwas in Google ein, Google zeigt dir Links, du klickst den besten. Das war der Deal. Websites investierten in SEO, um in diesem System weit oben zu erscheinen.

Dieser Deal verändert sich. Auf beiden Seiten gleichzeitig.

Seit Mai 2024 rollt Google die sogenannten AI Overviews aus, seit März 2025 auch im deutschsprachigen Raum aktiv. (Quelle: evergreen.media) Das sind KI-generierte Antwortblöcke, die ganz oben in den Suchergebnissen erscheinen und die Frage des Nutzers direkt beantworten, ohne dass er auf eine Website klicken muss.

Gleichzeitig passiert etwas, das in der SEO-Diskussion noch zu wenig Beachtung findet: Immer mehr Menschen suchen bei bestimmten Fragestellungen gar nicht mehr bei Google. Sie fragen ChatGPT. Sie nutzen Perplexity. Sie tippen ihre Frage in eine KI, die ihnen eine direkte Antwort gibt, angereichert mit Quellen, die sie bei Interesse vertiefen können.

Wie stark sich dieser Trend noch entwickeln wird, ist offen. Gartner prognostizierte 2024, dass das Volumen klassischer Suchanfragen bis 2026 um rund 25 % sinken könnte, weil KI-Assistenten zunehmend Anfragen direkt beantworten. (Quelle: gartner.com) Es ist eine Prognose, keine Garantie, und sie wird in der Branche kontrovers diskutiert. Aber als Richtungssignal ist sie ernst zu nehmen.

Was ist SGE, was sind AI Overviews, und was ist KI SEO?

Bevor wir tiefer gehen, drei klare Definitionen:

SGE stand für Search Generative Experience und war der ursprüngliche Name für Googles experimentelle KI-Suche. Seit Mai 2024 heisst dieses Feature offiziell AI Overviews.

AI Overviews sind KI-generierte Antwortblöcke, die bei bestimmten Suchanfragen ganz oben in den Google-Suchergebnissen erscheinen. Die KI synthetisiert Inhalte aus mehreren Quellen und formuliert eine eigene Antwort, inklusive selektiver Verlinkung auf die Quellen, aus denen sie schöpft. Der Unterschied zu einem klassischen Featured Snippet: Ein Featured Snippet zeigt eine Antwort aus einer einzigen Quelle. Ein AI Overview kombiniert, gewichtet und formuliert selbst.

KI SEO, in der Branche auch als Generative Engine Optimization (GEO) oder Answer Engine Optimization (AEO) bezeichnet, ist die Erweiterung des klassischen SEOs um ein neues Ziel. Nicht nur die Platzierung in den Suchergebnissen, sondern die Nennung als Quelle in KI-generierten Antworten.

Ob sich einer dieser Begriffe als Standard durchsetzen wird, ist noch offen. Das Feld ist jung, die Terminologie uneinheitlich. Was zählt, ist das dahinterliegende Prinzip: Beim klassischen SEO kämpfst du um einen Platz auf einer Liste. Beim KI SEO kämpfst du darum, Teil der Antwort zu sein.

Wer fragt die KI, und wer sucht noch auf Google?

Das ist eine Frage, die ich mir selbst gestellt habe. Und meine ehrliche Beobachtung ist diese:

Wenn ich etwas Konkretes suche, ein Produkt, einen Ort, eine schnelle Information, lande ich bei Google. Wenn ich etwas Komplexes verstehen will, eine Entscheidung abwägen, ein Thema einordnen, frage ich die KI.

Das ist kein wissenschaftlich belegtes Muster, sondern eine persönliche Beobachtung. Aber sie deckt sich mit dem, was ich in Gesprächen immer wieder höre.

Und sie hat strategische Konsequenzen. Wer komplexe Dienstleistungen anbietet, wer berät, erklärt, begleitet, sollte sich fragen, ob er in KI-Systemen überhaupt sichtbar ist. Denn genau dort werden die tieferen Fragen gestellt. „Welche Marketingstrategie passt zu meinem Business?“, „Brauche ich professionelles SEO?“, „Wie baue ich eine Email-Liste auf?“ Diese Fragen landen zunehmend nicht mehr nur bei Google.

Für KMUs und Selbstständige mit erklärungsbedürftigen Angeboten ist das keine abstrakte Zukunftsdiskussion. Es ist die Frage, ob sie beim nächsten Entscheidungsprozess eines potenziellen Kunden überhaupt noch auftauchen.

Was die Daten wirklich sagen

Ich möchte an dieser Stelle ehrlich sein: Die Datenlage zu KI SEO ist noch jung, und nicht alle Zahlen, die im Netz kursieren, sind gleichwertig belegt. Es gibt seriöse Studien, es gibt Brancheninterpretationen, und es gibt Zahlen von Tool-Anbietern mit Eigeninteresse an der Botschaft. Ich versuche, das hier sauber zu trennen.

Was methodisch gut belegt ist: Eine Studie des Pew Research Center verfolgte 68’000 echte Suchanfragen und stellte fest, dass Nutzer bei Suchergebnissen mit AI Overview nur in 8 % der Fälle auf ein organisches Ergebnis klicken. Ohne AI Overview lag diese Quote bei 15 %. Eine relative Reduktion von knapp 47 %. (Quelle: stackmatix.com) Das ist eine der methodisch belastbarsten Studien zu diesem Thema.

Was als starkes Signal gilt, aber auf Sekundärquellen basiert: Zero-Click-Suchen sollen laut Similarweb-Auswertungen zwischen Mai 2024 und Mai 2025 von rund 56 % auf 69 % gestiegen sein. (Quelle: searchenginejournal.com) Plausibler Trend, aber keine allgemeingültige Zahl.

Was ich mit Vorsicht einordne: Zahlen wie „36 % häufiger in AI Overviews mit Schema Markup“ oder bestimmte CTR-Steigerungen kursieren vor allem in Marketing- und Tool-Umfeldern. Sie sind nicht falsch, aber methodisch schwächer abgesichert. Eher Orientierungswerte als gesicherte Fakten.

Was das in der Praxis bedeutet

Auch wenn die genauen Zahlen variieren: Die Richtung ist klar und durch mehrere unabhängige Beobachtungen gestützt. Informationsgetriebene Suchanfragen werden zunehmend direkt durch KI beantwortet. Wer als Quelle zitiert wird, gewinnt Sichtbarkeit auf einem Kanal, der wächst. Wer unsichtbar bleibt, verliert möglicherweise Kontakt zu potenziellen Kunden, bevor dieser überhaupt entsteht.

Wie stark das zutrifft, hängt von Branche, Zielgruppe und Geschäftsmodell ab. Transaktionale Angebote sind weniger betroffen als erklärungsbedürftige Dienstleistungen. Wer beides hat, sollte beide Seiten im Blick behalten.

Wie optimiert man für KI SEO, AI Overviews und ChatGPT?

Ich sage es direkt: Es gibt keine schnelle Checkliste, die das Problem löst. Wer das verspricht, verkauft dir etwas.

Was es gibt, sind strukturelle Prinzipien, die sowohl für Google AI Overviews als auch für ChatGPT und Perplexity sinnvoll sind, auch wenn die genauen Rankinglogiken dieser Systeme nicht vollständig bekannt sind.

Echte Expertise, nicht simulierte Kompetenz

Google hat mit dem E-E-A-T-Prinzip, also Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness, einen Rahmen etabliert, der beschreibt, wie vertrauenswürdige Inhalte aussehen. Ob andere KI-Systeme wie ChatGPT denselben Rahmen explizit anwenden, ist nicht belegt. Was aber plausibel ist: Inhalte, die echte Erfahrung und klare Kompetenz zeigen, werden von KI-Systemen tendenziell bevorzugt zitiert. Generische Texte ohne Substanz haben strukturelle Nachteile, unabhängig von der Plattform.

Strukturierte Daten und Schema Markup

Schema Markup hilft KI-Systemen und Suchmaschinen, den Inhalt deiner Seite maschinell zu verstehen. FAQ-Schema, Article-Schema und HowTo-Schema sind dabei besonders relevant. Ob strukturierte Daten direkt zu mehr Zitierungen führen, lässt sich nicht garantieren. Aber sie verbessern die maschinelle Lesbarkeit deiner Inhalte, was als sinnvolle technische Grundlage gilt.

Klare, direkte Antworten auf konkrete Fragen

KI-Systeme neigen dazu, Inhalte zu bevorzugen, die eine Frage präzise und früh im Text beantworten. Langer Einleitungstext vor der eigentlichen Antwort ist eine strukturelle Schwäche. Suchanfragen mit acht oder mehr Wörtern triggern deutlich häufiger AI Overviews als kurze Anfragen. (Quelle: singlegrain.com) Wer komplexe Fragen vollständig und tiefgründig beantwortet, hat einen Vorteil.

Klassisches SEO bleibt die Basis

Auswertungen zeigen eine starke Korrelation zwischen guten organischen Rankings und dem Erscheinen in AI Overviews. Über 97 % der zitierten Quellen stammen aus den Top-20-Suchergebnissen. (Quelle: seoclarity.net)

 Das bedeutet nicht, dass Rankings alleine entscheiden. Aber sie sind ein starkes Signal, das KI-Systeme offensichtlich berücksichtigen. Wer das Fundament vernachlässigt, optimiert auf Sand.

KI SEO Tools: Radar, nicht Richter

Wer anfängt, sich mit KI SEO zu beschäftigen, stösst schnell auf Tools, die mit Begriffen wie „AI Search Scanner“, „GEO-Analyse“ oder „LLM-Sichtbarkeits-Score“ werben. Ich möchte dazu eine ehrliche Einschätzung geben, denn dieser Punkt wird zu selten klar kommuniziert.

Diese Tools sind nicht unseriös. Aber ihr Nutzen wird oft stärker dargestellt, als er in Wirklichkeit ist.

Was KI SEO Tools sinnvoll leisten können

Seriöse Tools können echte Signale messen. Sie können prüfen, ob deine Seite technisch sauber ist und ob KI-Bots deine Inhalte überhaupt erreichen können. Sie können zeigen, ob deine Marke oder URLs in KI-Antworten erwähnt werden. Und sie helfen, Wettbewerber zu vergleichen und Entwicklungen über Zeit sichtbar zu machen. Das sind echte, nutzbare Informationen.

Was sie nicht zuverlässig können

Was diese Tools nicht können: mit einem einzigen Score exakt sagen, wie gut deine Website für ChatGPT, Google AI Overviews oder andere KI-Systeme aufgestellt ist. Sie können keine internen Rankinglogiken offenlegen. Und sie können nicht garantieren, dass bestimmte Massnahmen direkt zu mehr KI-Sichtbarkeit führen.

Der Kernfehler vieler Angebote: Sie verkaufen Beobachtung als Gewissheit.

SEO Score Focus

Das Problem mit dem Score-Denken

Das gilt übrigens nicht nur für KI SEO Tools. Es gilt für SEO Tools generell.

Viele verlassen sich blind auf einen Score, ohne zu verstehen, was dahinter steckt. Ein hoher Score beruhigt. Ein niedriger alarmiert. Aber weder das eine noch das andere sagt dir, ob deine Website wirklich besser oder schlechter sichtbar ist, wenn du nicht verstehst, welche Mechaniken dahinter liegen und welche davon für dein Business tatsächlich relevant sind.

Wer die Mechaniken versteht, kann Inhalte gezielt und qualitätsorientiert optimieren, unabhängig davon, welches Tool gerade einen bestimmten Wert anzeigt. Wer nur auf den Score schaut, optimiert für das Tool, nicht für den Nutzer, nicht für die KI.

Mein Fazit in einem Satz: Seriöse Tools können wertvolle Hinweise geben, aber sobald sie so tun, als könnten sie deine KI-SEO-Qualität exakt messen, beginnt meist der Marketing-Anteil.

Betrachte solche Tools als Radar, nicht als Richter.

Was mich an dieser Entwicklung wirklich beschäftigt

Ich beschäftige mich seit Jahren mit digitalem Marketing, und was gerade passiert, empfinde ich als das Aufregendste und gleichzeitig Beunruhigendste, das ich in diesem Bereich erlebt habe.

Faszinierend, weil sich die Spielregeln verschieben. Plötzlich scheint Autorität wichtiger als Keyworddichte. Echte Expertise wichtiger als technische Tricks. Präzision wichtiger als Quantität. Das begrüsse ich.

Beunruhigend, weil ich zu wenige kleine Unternehmen und Selbstständige sehe, die die Bedeutung dieser Verschiebung wirklich begreifen. Nicht weil sie es nicht könnten, sondern weil niemand es ihnen klar genug erklärt.

Was mich in Gesprächen mit Kunden ausserdem beschäftigt: Das alte Denkmuster sitzt tief. „Ich brauche mehr Keywords“ oder „Ich will auf Seite 1 bei Google“ sind Sätze, die ich oft höre. Das Keyword-Denken ist nicht falsch. Es ist unvollständig geworden.

Wer langfristig sichtbar bleiben will, sollte anfangen, in Themen zu denken statt in Keywords. In Vertrauen statt in Rankings. In Autorität statt in Suchvolumen. Das ist kein radikaler Bruch, sondern eine Erweiterung, die Zeit braucht. Und genau deshalb lohnt es sich, jetzt damit anzufangen.

Was das konkret für dein Business bedeutet

Zurück zum Restaurant-Bild vom Anfang.

Du kannst immer noch der beste Koch in der Stadt sein. Du kannst weiterhin in jedem Stadtführer gelistet sein. Aber wenn der Stadtführer anfängt, selbst zu kochen und zu liefern, reicht es nicht mehr, nur gelistet zu sein. Du musst derjenige sein, den der Stadtführer empfiehlt.

Genau das ist die Verschiebung, die gerade stattfindet. Nicht Google verschwindet. Aber die Frage, was es bedeutet, sichtbar zu sein, hat eine neue Dimension bekommen.

Wenn du wissen willst, ob deine Website für diese neue Realität aufgestellt ist, ist ein guter Startpunkt ein ehrlicher Blick auf dein bestehendes SEO & KI Fundament. Nicht weil klassisches SEO tot ist, sondern weil es die Grundlage für alles andere ist.

Die entscheidende Frage ist nicht mehr nur: Rankt meine Website gut?

Die entscheidende Frage ist: Würde eine KI mich empfehlen?

Ich bin Marlon, eidg. dipl. Marketingfachmann mit Erfahrung aus dem Schweizer E-Commerce. Ich helfe Brands und Selbstständigen dabei, ihre digitale Sichtbarkeit strategisch aufzubauen, für klassische Suchmaschinen und für die neue KI-gestützte Suche.

Häufig gestellte Fragen

SEO optimiert für Platzierungen und Klicks in klassischen Suchergebnissen. KI SEO, auch GEO oder AEO genannt, optimiert zusätzlich dafür, von KI-Systemen wie Google AI Overviews, ChatGPT oder Perplexity als relevante Quelle zitiert zu werden. Die Terminologie ist noch uneinheitlich, das Prinzip dahinter aber klar.

KI-generierte Antwortblöcke, die bei bestimmten Suchanfragen ganz oben in den Google-Suchergebnissen erscheinen. Sie beantworten die Frage des Nutzers direkt, ohne dass dieser eine externe Website besuchen muss. Seit März 2025 sind sie auch im deutschsprachigen Raum aktiv.

Zunehmend, vor allem bei komplexeren Fragestellungen. Wer erklärungsbedürftige Dienstleistungen anbietet, sollte prüfen, ob er in KI-Systemen als Quelle auftaucht. Das ist ein Kanal, den klassisches SEO allein nicht abdeckt.

Möglicherweise, abhängig von Branche und Suchintention. Eine Studie des Pew Research Center zeigt, dass Nutzer bei Suchanfragen mit AI Overview deutlich seltener auf organische Ergebnisse klicken. Transaktionale Suchanfragen sind bisher weniger stark betroffen als informative.

Strukturierter Code, der KI-Systemen und Suchmaschinen hilft, den Inhalt einer Seite maschinell zu verstehen. Gilt als sinnvolle technische Grundlage für KI SEO, auch wenn der direkte Effekt auf Zitierungen nicht exakt messbar ist.

Nein. Tools können hilfreiche Signale liefern, zum Beispiel technische Sauberkeit oder Markenerwähnungen in KI-Antworten. Aber sie können keine objektive Wahrheit über deine KI-Sichtbarkeit liefern. Nutzen, aber nicht blind vertrauen.

Ja. Auswertungen zeigen eine starke Korrelation zwischen guten organischen Rankings und dem Erscheinen in AI Overviews. Gutes SEO bleibt die Grundlage, auf der KI-Sichtbarkeit aufbaut.